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Das Johannes-Horion-HausViele Bewohner und Mitarbeiter des Franz Sales Hauses haben die Abrissarbeiten am Johannes-Horion-Haus im Herbst 2008 wehmütig zur Kenntnis genommen, denn damit ist auch ein Stück Geschichte verschwunden. Das Johannes-Horion-Haus war neben dem als Krankenhaus dienenden Karl-Josef-Haus das zweite große Bauprojekt der zwanziger Jahre. Es wurde nach Plänen des Düsseldorfer Landesoberbaurates Baltzer entworfen und unter der Leitung des Landesoberarchitekten Johann Tepper (Düsseldorf) gebaut. Neben dem großen Festsaal, einigen Werkstätten sowie Schlaf- und Tagesräumen für "bildungsfähige Bewohner" war in dem Bau auch die damals neu eingerichtete "Schule zur Erziehung der Erzieher" untergebracht. Hier wurden Ordensschwestern zu Erzieherinnen ausgebildet. Das Haus an der Steeler Straße hatte sich damit zur größten katholischen Pflege- und Erziehungseinrichtung für „geistesschwache Menschen in der gesamten Rheinprovinz“ und zur zweitgrößten Deutschlands entwickelt. Engagement für sozial SchwacheDaher erregte der Bau des Johannes-Horion-Hauses überregional Aufmerksamkeit. Auch die Rheinprovinz, ohne deren finanzielle Unterstützung das Projekt nicht hätte realisiert werden können, zollte Anerkennung und Bewunderung. Ihren Dank für den behördlichen Beitrag brachten die Verantwortlichen dadurch zum Ausdruck, dass sie dem neu errichteten Gebäude den Namen von Johannes Horion (1876-1933) gaben. Horion, der sich zeitlebens für die sozial Schwachen einsetzte, war seit 1909 Vorstandsmitglied des Franz Sales Haus Trägervereins. Im März 1922 wurde er, auf Vorschlag des damaligen Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer, vom Provinziallandtag zum Landeshauptmann der Rheinprovinz gewählt. Die Einweihung des Johannes-Horion-Hauses am 1. Februar 1927 war ein Treffen auch überregional bekannter Persönlichkeiten. Nach der Eröffnung der Feier mit einem Weihegebet übernahm Professor Leo Mausbach als Vorsitzender des Trägervereins zunächst die Begrüßung der Gäste. In seinem Schlusswort stellte Prof. Mausbach der künftigen Arbeit im Hause das Motto „veritati ac caritati“ (der Wahrheit und der christlichen Nächstenliebe verpflichtet) voran. Nachdem Direktor Schulte-Pelkum und Oberarzt Kleefisch, als weitere Vertreter des Franz Sales Hauses, Oberbaurat Baltzer und Weihbischof Joseph Hammels den Wert der Einrichtung aus ihrer Sicht hervorgehoben hatten, überbrachte Heinrich Hirtsiefer (von 1921 bis 1933 preußischer Minister für Volkswohlfahrt) Glückwünsche der preußischen Staatsregierung und überreichte Schulte-Pelkum die Preußische Staatsplakette für Jugendpflege. Feierliche EröffnungDen Höhepunkt der Veranstaltung bildete die Rede von Johannes Horion, der darauf verwies, wie sehr der Haushalt der Städte, Kreise sowie der Provinzialverwaltung unter der Last der Wohlfahrtspflege erdrückt werde. Horion hob die Hilfe karitativer Organisationen hervor, ohne die die anste-henden Aufgaben nicht gelöst werden könnten. Als Patengeschenk überwies Horion dem Franz Sales Haus den Betrag von 1.000 RM, die der Anlage einer wissenschaftlichen, medizinisch-pädagogischen Fachbibliothek dienen sollten. Am Nachmittag schloss sich ein umfangreiches Festprogramm an, bei dem die Bewohner des Franz Sales Hauses im Mittelpunkt standen. Das Blasorchester unter Leitung von Herrn Ohse und der Gesangschor unter Lehrer Jakobs zeigten ihr Können. Darüber hinaus hatte die für die Kulturarbeit im Hause zuständige Igna Maria Jünemann mit den Mädchen und Jungen einen Zwergen-Reigen (Sneewittchen) sowie ein Märchenspiel (Wolkenseppele) einstudiert. Im November 1941 musste der Vorstand des Franz Sales Hauses der Heeresverwaltung neben dem Antonius- und dem Pförtnerhaus auch das Horion-Haus als Lazarett zur Verfügung stellen. Nachdem der Vertrag mit der Wehrmacht im Juni 1942 aufgelöst worden war, wurden die freiwerdenden Betten dem Elisabeth-Krankenhaus vermietet. Im Krieg wurden nur 20 % des Gebäudes beschädigt, sodass das wiederhergestellte Haus bald wieder in Betrieb genommen wurde. Bis 2004 diente das Horion-Haus noch als Unterkunft für Wohngruppen. Im Kellergeschoss war bis zur Eröffnung des Sportzentrums Ruhr (2005) ein Fitnessstudio untergebracht. Der große Festsaal wurde noch bis kurz vor dem Abriss für Feiern des Franz Sales Hauses genutzt.
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