Manche schließen nicht nur im virtuellen Raum, sondern auch in der analogen Welt neue Bekanntschaften und Freundschaften, festigen bestehende Beziehungen oder lernen sogar ihren Partner oder Partnerin über Social Media kennen. Auszubildende und Studierende tauschen sich über selbstorganisierte WhatsApp-Gruppen oder in Big Blue Button-Videocalls über Lerninhalte aus und manche von ihnen unterstützen später vielleicht den Arbeitgeber bei Unternehmensprofilen. Einige angehende Fachkräfte aus den Bildungsgängen Heilerziehungspflege (HEP) und Sozialassistenz (SAH) erleben außerdem, wie sich Menschen mit Behinderung beispielsweise stundenlang Videos auf YouTube anschauen und sich mit anderen austauschen. Bei dubiosen Freundschaftsanfragen werden diese aber leider nicht immer als solche erkannt.
Um auf diese enorme gesellschaftliche Bedeutung und Entwicklung einzugehen, hat das Franz Sales Berufskolleg nun erstmals im Schuljahr 2021/2022 Social Media-Seminare angeboten. Dass an einem Berufskolleg Social Media-Kompetenzen vermittelt werden, ist dabei alles andere als selbstverständlich. Klassische Fächer wie Deutsch, Englisch, Mathematik oder auch Pflege sind vielen geläufig. Möglich wird dieser besondere, inhaltliche Schwerpunkt über die Differenzierungsbereiche der Bildungsgänge, aktuell für angehende HEP- und SAH-Fachkräfte.
Teilhabe für Menschen mit Beeinträchtigungen durch Social Media
„Menschen mit Beeinträchtigung können meines Erachtens auf unterschiedliche Art und Weise von Social Media profitieren“, ist Schulleiterin Ulrike Fembeck überzeugt. „So ergibt sich bei vorhandenen Ressourcen die Möglichkeit, dass nicht nur eine Berichterstattung über sie erfolgt, sondern sie sich selber darstellen können und andere Menschen aus ihrer Perspektive an ihrem Leben teilhaben lassen können. Dass Barrieren erkannt und abgebaut werden können. Die Sozialen Medien haben ein enormes Potenzial für die Teilhabe von Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben. Dadurch kann die Inklusion vorangetrieben und die Medienkompetenz gefördert werden. Dazu gehören aber auch Gefahren und Risiken, die häufig die Vermittlung eines sicheren Umgangs mit den Sozialen Medien erfordern – auch hinsichtlich Mobbing oder der Nutzung von Passwörtern. All dies entspricht der Lebenswelt sowohl unserer Auszubildenden, als auch der Menschen mit Behinderung und daher freue ich mich, einen Differenzierungskurs zu dieser Thematik in den Klassen anbieten zu können.“
Der neue Social Media-Kurs
Unterrichtet werden die neuen Kurse von Arne Regenbrecht, der seit dem Schuljahr 2021/2022 als Lehrkraft am Franz Sales Berufskolleg angestellt ist. Zuvor hat er neun Jahre lang als Social Media- Manager bei einer Social Media-Agentur und einem Industrieverband praktische Erfahrungen aus der Wirtschaft gesammelt. „Ich finde den Social Media-Kurs total informativ und in der HEP-Ausbildung sinnig“, meint die Studierende Kira-Berenike Fortmann aus dem HEP-Mittelkurs 1. „Denn in unserem Bereich hat man viel zu tun mit Social Media-Plattformen und so kann man seine Klienten aufklären, die selbst WhatsApp, TikTok etc. im Alltag benutzen.“ Die Inhalte des Kurses sind vielfältig und behandeln allgemeine und berufsbezogene Phänomene. So erfahren die angehenden Fachkräfte zunächst einmal, was Soziale Netzwerke überhaupt sind und welche es gibt.
Social Media sind mehr als Facebook, Twitter und TikTok. Zu ihnen gehören beispielsweise auch die wichtigen, aber nicht allen bekannten Business-Netzwerke XING und LinkedIn. Die Grenzen zwischen Social Media und Websites werden immer schwieriger zu ziehen, da auch Händlerplattformen wie Amazon und Zalando auf Funktionen wie Kommentare, Bewertungen und Weiterempfehlungen setzen. Auch die Themen Massenphänomene, Einflüsse auf Nutzer und Nutzerinnen und deren Sozialverhalten, Datenschutz und Fake News sind wichtig, um sowohl die eigene Mediennutzung zu hinterfragen als auch Menschen mit Behinderung auf Risiken und Chancen hinzuweisen.
Inwiefern die eigene digitale Identität, also was das Netz über einen verrät, berufl ich relevant ist, welche Anforderungen Social Networks bei der Arbeit mit sich bringen, wie Menschen mit Behinderung Social Media nutzen und wie Mitarbeitende sie dabei unterstützen können, wird im neuen Social Media-Kurs ebenfalls thematisiert.
Arne Regenbrecht