Dort, wo früher die Kirche St. Raphael in Essen-Bergerhausen stand, läutete das Franz Sales Haus vor zehn Jahren ein neues Kapitel ein: Schülerinnen und Schüler mit geistiger Behinderung im Alter zwischen zehn und 18 Jahren fanden an dieser besonderen Stelle ein neues Zuhause. Hier werden sie seither individuell begleitet, gefördert und auf ihrem Weg in ein möglichst selbstständiges Leben unterstützt.
Bischof Franz-Josef Overbeck weihte das neue Gebäude 2016 ein und war sich damals sicher: „An diesem Ort bekommt man eine Idee davon, wie alle Menschen trotz ihrer Unterschiedlichkeit friedlich zusammenleben können.“
Heute, zehn Jahre später, ist das Haus längst mit Leben gefüllt. Die farbenfrohen Einzelzimmer auf zwei hellen Wohnetagen spiegeln die Individualität der Kinder und Jugendlichen wider. Farben sind auch das Leitthema des Jubiläums: Alles ist mit Regenbogenfarben geschmückt und symbolisiert die bunte Gemeinschaft im Haus. „Das Wichtigste ist, dass sich die Kinder und Jugendlichen hier wohlfühlen und im Alltag in ihrer Entwicklung gut begleitet werden“, sagt Andrea Hölper, die das Wohnhaus und ein Team mit 25 Mitarbeitenden seit der Eröffnung mit viel Herzblut leitet.
Unterstützung im Alltag
Viele Bewohner:innen bringen belastende Erfahrungen mit. Einige wurden von den Eltern vernachlässigt, haben Missbrauch oder Traumatisches erlebt. Umso wichtiger sind verlässliche Strukturen, eine sensible Ansprache und stabile Beziehungen.
Inzwischen wird bei der Arbeit häufig die Unterstützende Kommunikation eingesetzt: Mit Symbolen, Strukturplänen und visuellen Hilfen können Abläufe verständlicher dargestellt und auch schwierige Themen kindgerecht erklärt werden. „Das ist eine wertvolle Ergänzung geworden“, erklärt Andrea Hölper. „Die Kinder sehen zum Beispiel im Kalender, was in der Woche ansteht oder wer Dienst hat.“
Die Mitarbeitenden begleiten die Kinder und Jugendlichen auch dabei, ihre Rechte kennenzulernen, Selbstvertrauen zu entwickeln und ihre eigene Identität zu finden. Und natürlich gibt es Krisen, Rückschläge und schwierige Lebenssituationen zu meistern. „Zum Aufwachsen gehört es auch, mal zu scheitern oder Krisen zu bewältigen“, sagt Andrea Hölper. "Wir stehen den Kindern auch in diesen Zeiten verlässlich zur Seite.”
Zum ersten Jubiläum des Wohnhauses an der Ahrfeldstraße war auch die Nachbarschaft eingeladen und konnte sich ein Bild davon machen, dass auf dem Gelände etwas Wunderbares gewachsen ist.