Stolpersteine im Franz Sales Haus
Erinnerung bewahren, Verantwortung übernehmen
Das Franz Sales Haus erinnert mit einem besonderen Projekt an Menschen mit Behinderung, die während der Zeit des Nationalsozialismus verschleppt und ermordet wurden. Auf dem historischen Campusgelände werden in den kommenden Jahren Stolpersteine verlegt – als sichtbares Zeichen der Erinnerung an die Opfer.
Der Erinnerungspfad bringt die Menschen, die früher im Franz Sales Haus lebten, wieder in unsere Mitte. Dadurch holen wir die Opfer aus der Anonymität zurück und geben ihnen ihren Namen, ihre Geschichte und ihren Platz in unserer Gemeinschaft zurück.
Die Opfer
Schülerinnen und Schüler unseres Berufskollegs beteiligen sich an dem Projekt “Erinnerungspfad” und erstellen nach und nach kurze Biografien der Menschen, die früher hier bei uns im Franz Sales Haus gelebt haben und Opfer des NS-Regimes wurden.
Klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.
Entstehung des Projekts "Erinnerungspfad"
Im Juni 2024 verstarb Hubert Vornholt, der damalige Direktor des Franz Sales Hauses, plötzlich und unerwartet. Vor seinem Tod befasste er sich mit dem Wunsch von Mitarbeitenden, ein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus im Franz Sales Haus zu gestalten. Seine Familie hat es dankenswerterweise ermöglicht, dieses Vorhaben durch Spenden zu realisieren.
Der Künstler Gunter Demnig wird ab Dezember 2026 nach und nach Stolpersteine für die ermordeten Personen aus dem Franz Sales Haus auf dem historischen Campusgelände verlegen. Der dadurch in den nächsten Jahren wachsende Erinnerungspfad führt die Bewohnerinnen und Bewohner des Franz Sales Hauses, die in der NS-Zeit verschleppt und ermordet wurden, symbolisch wieder in unsere Mitte. Sie erhalten auf diesem Wege Ihre Namen und ihre Identität zurück.
Was ist in der NS-Zeit passiert?
Diese Inhalte behandeln schlimme Verbrechen in der Zeit des Nationalsozialismus. Vielleicht macht das einigen Nutzern Angst. Möglicherweise macht es Sinn, die Texte zum Beispiel gemeinsam mit Betreuungspersonen, Freunden oder Angehörigen zu lesen.
Bitte achten Sie auf Ihr Wohlbefinden und entscheiden Sie selbst, ob und wann Sie sich mit diesem Thema auseinandersetzen möchten!
Zur Erklärung: Der Begriff “Euthanasie” wird in Texten zur NS-Zeit häufig verwenden und in Anführungszeichen gesetzt. Denn dabei geht es nicht um Sterbehilfe, sondern um die systematische Verfolgung und Ermordung von Menschen mit Behinderungen, psychischen Erkrankungen und anderen als „lebensunwert“ eingestuften Personen.
In der Zeit zwischen 1940 und 1943 wurden insgesamt alle 832 Menschen aus dem Franz Sales Haus in andere Einrichtungen verlegt, denn im Franz Sales Haus wurde ein Hilfskrankenhaus errichtet. Wenn möglich wurden die Angehörigen gebeten, die Kinder und Jugendlichen wieder in den Familien aufzunehmen. Wegen der Einstufung als „bildungsfähig” waren einige Kinder und Jugendliche aus der Einrichtung zunächst vor der „Euthanasie“ geschützt und kamen in andere Einrichtungen mit Schulen. Für andere Kinder war die Einstufung der Schwestern als “nicht schulfähig” eine große Gefahr.
Wir wissen auch, dass die fünf Bewohner jüdischer Konfession am 12. Februar 1941 nach Grafenberg verlegt und nur wenige Tage später (vermutlich in Polen) getötet wurden.
Mit der Verlegung von zwölf Kindern nach Waldniel am 8. März 1942 waren erstmals auch Bewohner:innen des Franz Sales Hauses direkt von der „Euthanasie“ betroffen. Die Beharrlichkeit des Essener Seelsorgers Paul Wolpers konnte einige Menschenleben retten: Er stand im schriftlichen Kontakt mit Geistlichen in den Verlegungsorten und erkundigte sich nach den Schützlingen aus dem Franz Sales Haus. Auch durch Besuche informierte er sich über das Wohlergehen, was einige Kinder vor Vernachlässigung und Tötung bewahrte.
Das Schicksal vieler anderer Bewohner ist ungewiss, weil zwischen der Verlegung aus dem Franz Sales Haus und der Aufnahme in einer „Euthanasie“-Anstalt einige Zeit verging. Oft fanden die Verlegten bis zu ihrer Ermordung Aufnahme in zahlreichen Zwischenstationen, sodass sich die Spur vieler Menschen verlor.
Dr. Volker van der Locht hatte bereits in den 80er Jahren mit Nachforschungen begonnen. Am Anfang unseres Projekts “Erinnerungspfad”, wusste unser Archivar Dr. Martin Annen bereits aufgrund seiner Recherchen, dass es über 90 Opfer aus dem Franz Sales Haus gab. Gemeinsam mit der angehenden Historikerin Matilda Bauerdiek, die sich ehrenamtlich im Projekt engagiert, versucht Dr. Martin Annen nun, die Lebenswege der übrigen Personen nachzuzeichnen und herauszufinden, was mit den Menschen aus dem Franz Sales Haus geschah, über deren Verbleib wir bislang noch nichts wussten.
Inzwischen ist klar: In der Zeit von 1940-1945 sind rund 130 Menschen aus dem Franz Sales Haus umgekommen. Viele wurden in Tötungsanstalten ermordet, einige sind an Mangelernährung oder durch Krankheiten in unterschiedlichsten Einrichtungen auf tragische Weise verstorben und es gab in verschiedenen Städten auch Opfer von Bombenangriffen.
Wir trauern um die Betroffenen und möchten ihr Andenken durch unseren Erinnerungspfad lebendig halten. Damit wir für alle Opfer einen Stolperstein verlegen können, benötigen wir weitere Spenden. Wir freuen uns über große und kleine Beträge, damit wir das Projekt erweitern können.
Was sind Stolpersteine?
Die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig sind das größte dezentrale Mahnmal Europas. Die kleinen, mit einer Messingplatte versehenen Steine werden in das normale Straßenpflaster eingefügt und erinnern an Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, entrechtet und ermordet wurden.
Jeder Stolperstein trägt den Namen eines Menschen sowie wichtige Lebensdaten und Informationen über dessen Schicksal. Die Steine werden an Orten verlegt, die mit dem Leben der jeweiligen Person verbunden sind, und laden dazu ein, innezuhalten, hinzusehen und sich zu erinnern.
Das Projekt
Auf dem historischen Gelände des Franz Sales Hauses sollen in den kommenden Jahren viele Stolpersteine verlegt werden. Sie erinnern an Menschen mit Behinderung, die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ihr Leben verloren haben.
Jeder Stolperstein steht für einen Menschen, dessen Geschichte wir erzählen möchten. Dadurch wird sichtbar, dass hinter jeder Zahl ein individuelles Leben stand. Wir möchten heute versuchen, uns der Persönlichkeit der Opfer zu nähern, deren Identität von den Nazis geraubt wurde.
► Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs erstellen nach und nach Kurzbiografien und beschäftigen sich inhaltlich intensiv mit den Menschen, die ums Leben gekommen sind. Daraus entstehen in Projekten verschiedenste Arbeiten, die wir hier auf dieser Seite präsentieren möchten.
Ziele des Projekts
- Wir wollen den ermordeten Menschen ihre Identität und ihren Namen zurückzugeben.
- Wir möchten ihre Lebensgeschichten sichtbar machen.
- Wir wollen sie symbolisch wieder in unsere Mitte zurückzuholen.
Deshalb bauen wir an dieser Stelle zusätzlich zu den Stolpersteinen ein digitales Erinnerungsarchiv auf. Denn wir sehen die Erinnerungskultur als Auftrag für die Zukunft. Wir arbeiten mit vielen Jugendlichen, die an dieses Thema herangeführt werden, um die Erinnerung auch in den nächsten Generationen lebendig zu halten.
► Unser Erinnerungspfad soll Vergangenheit und Gegenwart verbinden. Er macht die Verbrechen des Nationalsozialismus sichtbar und setzt zugleich ein deutliches Zeichen für Menschenwürde, Inklusion und demokratische Werte.
Sie wollen das Projekt unterstützen?
Wir haben den Verbleib von vielen Kindern aus dem Franz Sales Haus recherchiert. Anfangs sind wir davon ausgegangen, dass rund 90 Menschen aus der Einrichtung auf unterschiedlichste Weise ums Leben gekommen sind. Die Recherchen haben inzwischen ergeben, dass die Zahl der Opfer jedoch weitaus größer ist. Damit wir für jedes Kind aus dem Franz Sales Haus einen Stolperstein verlegen können, benötigen wir deshalb weitere Spenden. Jeder Stein kostet derzeit 120 Euro.
► Hier klicken, um das Projekt Stolpersteine zu unterstützen
► Hier klicken, um weitere Infos zu den Stolpersteinen zu sehen
Thema Religion
Das Nazi-Regime hat Menschen aufgrund ihrer Religion verfolgt und ermordet. Aber auch Randgruppen wie zum Beispiel Menschen mit Behinderung sind Opfer des NS-Terrors geworden. Im Franz Sales Haus wird der interreligiöse Dialog gefördert, die Gemeinsamkeiten der Religionen aufgezeigt. Denn wir leben Vielfalt!