„Was in den Akten nicht steht“
Ein Essay über die Sprache der Anstaltsakten und darüber, wie ein Mensch in Formularen verschwindet — geschrieben am Beispiel von Hermann-Josef Heines.
Berufskolleg Franz Sales Haus
Portrait Hermann-Josef Heines, Archiv Franz Sales Haus
Stein geplant
1932 – 1945 · gestorben mit 13 Jahren · ermordet in Ueckermünde
Hermann-Josef Heines wurde 1929 geboren. Sein Vater arbeitete auf der Zeche, die Mutter versorgte vier Kinder in Essen-Katernberg.
Im Aufnahmebuch steht als Grund ein einziges Wort, das nichts über ihn sagt und alles über seine Zeit.
Im Sommer 1940 wurde ein Meldebogen der „Aktion T4“ über Hermann-Josef ausgefüllt. Ein Jahr später brachte ein Sammeltransport ihn nach Hadamar; die angegebene Todesursache ist wie bei allen Opfern dieses Ortes erfunden.
Was bleibt, sind Größe, Gewicht, ein Datum und ein Name. Diesen Namen setzen wir zurück auf den Boden, über den Hermann-Josef gelaufen ist.
1929
Geburt
Hermann-Josef Heines wird geboren. Sein Vater arbeitete auf der Zeche, die Mutter versorgte vier Kinder in Essen-Katernberg.
1936
Aufnahme
Aufnahme in das Franz Sales Haus, im Alter von 7 Jahren.
1940
Erfassung
Ein Meldebogen der „Aktion T4“ wird ausgefüllt. Die Unterschrift des begutachtenden Arztes ist nicht lesbar.
1941
Verlegung und Tod
Verlegung nach Hadamar. Der Tod wird auf 1941 datiert — im Alter von 12 Jahren.
Ein Essay über die Sprache der Anstaltsakten und darüber, wie ein Mensch in Formularen verschwindet — geschrieben am Beispiel von Hermann-Josef Heines.
Berufskolleg Franz Sales Haus
Der Sammeltransport aus dem Franz Sales Haus. Der Name steht auf Blatt zwei; die Transkription steht daneben, weil die Handschrift kaum lesbar ist.
Archiv Franz Sales Haus, Bestand 4/112
Schülerinnen des Berufskollegs lesen die Biografie. Die Audiofassung ist auch für Menschen gedacht, die den Text nicht selbst lesen können.
Aufnahme: Medien-AG, 2026
Der Stein wird von Gunter Demnig verlegt. Ein Stein kostet 120 Euro und wird aus Spenden finanziert; eine Patenschaft ist möglich.
Projekt „Erinnerungspfad“
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